NORDEN Festival: Keine Gastronomie mehr ohne Mehrweg

Das Kulturfestival NORDEN (The Nordic Arts Festival) findet seit 2018 im Spätsommer in Schleswig statt. Es gibt ein umfangreiches Programm mit Musik, Kunst und Literatur aus dem Norden Europas sowie verschiedenen Workshops und Aktivitäten, insbesondere für Familien. Hinter dem NORDEN Festival steht ein inklusives und nachhaltiges Konzept, in diesem Fallbeispiel geht es um Lösungen zur Reduktion von durch Einweggeschirr entstehenden Abfall.

Problematik

Auf Festivals werden Speisen und Getränke in der Regel in Einweggeschirr ausgegeben. Die dadurch entstehenden Abfallberge schaden nicht nur der Umwelt, die Entsorgung kostet die Veranstaltenden auch viel Geld. Gleichzeitig ist eine Lösung mit Mehrweggeschirr nicht leicht umzusetzen, denn sie erfordert viel Personal und neue Infrastrukturen. Das NORDEN hat täglich bis zu 10.000 Besuchende. Es braucht daher ein gutes System, damit der Kreislauf von dreckigem zu gespültem Geschirr und wieder zurück zur Gastronomie jederzeit funktioniert.

Lösungsansatz

Seit Beginn des Festivals in 2018 kommen ausschließlich Mehrwegbecher zum Einsatz. Allein diese Maßnahme war mit hohem organisatorischem Aufwand verbunden. 2019 kamen die Veranstaltenden mit der Kieler Initiative Spülbar, einer mobilen Spülstation, in Kontakt und wagten den nächsten Schritt: Seitdem gibt es auf dem Festival keine Gastronomie mehr ohne Mehrweg – vom Kaffee bis zur Pommes rot-weiß wird alles auf spülbarem Geschirr ausgegeben. Das Geschirr stammt dabei aus Spenden von regionalen Initiativen, wie der Arbeiterwohlfahrt. Nach dem Verzehr bringen die Gäste das Geschirr zu einer der drei Rückgabestationen, wo es gesammelt und anschließend in einem großen Zelt, der Spülbar, gereinigt wird. Dort gibt es Spülmaschinen und Personal, das das Geschirr vorspült, sortiert, trocknet und wieder zurück in den Kreislauf bringt.

Herausforderungen

Die Mehrweglösung ist sehr personalintensiv und erfordert vor allem körperlich anstrengende Arbeit. Es braucht deshalb Mitarbeitende, die dieser Herausforderung gewachsen sind. Beim Transport des Geschirrs sollen zukünftig E-Lastenräder unterstützen. Eine weitere Herausforderung ist die Kommunikation mit den Besucher*innen: Nur mit ihrer Hilfe bei der Rückgabe und Sortierung des Geschirrs funktioniert das System reibungslos. Oft sind die Besucher*innen jedoch unsicher, wie alles abläuft, übersehen die Rückgabestationen und geben das schmutzige Geschirr wieder bei den Ständen ab. Die Veranstaltenden bemühen sich deshalb um eine genaue Anleitung und großflächige Beschilderung der Rückgabestationen, idealerweise nachhaltig produziert und gleichzeitig wasserfest. Auch die Gastronom*innen haben viele Fragen und müssen sich erst an die neuen Strukturen gewöhnen.

Bilanz

Die Veranstaltenden sind sehr zufrieden: Sie konnten zeigen, dass Mehrweg auf Festivals möglich ist und den Müll um zwei Drittel reduzieren. 2022 fielen nur noch 0,5 Tonnen Restmüll an. Die Umsetzung war dabei alles andere als trivial. Vielmehr war für die Umstellung auf Mehrweg eine zusätzliche Infrastruktur nötig, die von Grund auf neu aufgebaut werden musste und ein eigenes Team erforderte – ähnlich wie bei der Gastronomie oder beim Einlass. Sobald sich alles eingespielt hat, funktioniert Mehrweg jedoch wie jede andere Infrastruktur. Zwar verursacht das zusätzliche Personal sowie der Aufbau und Betrieb der Spülmaschinen Mehrkosten, diese werden aber durch erhebliche Einsparungen beim Einkauf von Einweggeschirr und bei der Abfallentsorgung wieder ausgeglichen. Unterm Strich bilanzieren die Veranstaltenden daher, dass Mehrweg eher ein Umdenken als Mehraufwand und –kosten erfordert. Nachhaltigkeit kann zudem ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für Veranstaltungen sein, das im Marketing genutzt werden und so auch wirtschaftliche Vorteile bringen kann. Auch die Besucher*innen nehmen das Mehrweggeschirr sehr gut an und freuen sich insbesondere über die vielen bunten Teller und Tassen.

Vision

Für die Veranstaltenden gibt es keinen Weg zurück: Mehrweg ist zu einem festen Bestandteil des NORDEN geworden. Damit alles in Zukunft noch glatter abläuft, möchten die Veranstaltenden die Sichtbarkeit der Maßnahme erhöhen und die Kommunikation mit den Besucher*innen verbessern. Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Spülbar weiten die Organisator*innen bereits auf weitere Veranstaltungen aus (wie auf den Weihnachtsmarkt in der Hamburger Osterstraße). Generell wünschen sich die Veranstaltenden mehr Unterstützung bei der Umstellung auf Mehrweg. Zum einen gibt es noch zu wenig Anbieter:innen für mobile Spülstationen. Zum anderen fehlt sowohl eine Förderung als auch eine Pflicht für nachhaltige Veranstaltungen. Die seit dem 01.01.2023 geltende Mehrwegpflicht hat zwar in der alltäglichen Außengastronomie einiges in Bewegung gebracht, eine vergleichbare Dynamik im Veranstaltungskontext bleibt jedoch bisher aus.

Das Spülzelt ist der Dreh- und Angelpunkt der Mehrweglogistik: Hier wird das Geschirr sortiert, gespült, getrocknet und für die Rückgabe in den Kreislauf vorbereitet. Credits: Nora Berries
Mehrweg erfordert die Mithilfe der Gäste: Großflächige Schilder informieren deshalb über die Abläufe. Credits: hejnorden GmbH

Umgesetzte Kriterien mit dieser Maßnahme:

  • 3 Mehrweg & Verpackungen

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